Schütze 6er mit Gardeerfahrung

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Im Bataillonsstab ist Oblt Vito Leo als Quartiermeister tätig, früher diente er in der päpstlichen Schweizergarde. Ganze fünfeinhalb Jahre verbrachte er einst als Soldat (Hellebardier) im Vatikan. Der Armeeseelsorger Hptm Kurt Liengme hat im Rahmen unserer Serie „Schütze 6er im Porträt“ mit ihm ein Interview geführt.

Asg: Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um als Soldat in der Schweizergarde zu dienen?

Qm: Man muss Schweizer Bürger, ledig, 19 bis 30 Jahre alt und katholisch sein, um in die Leibgarde des Papstes einzutreten. Dazu braucht es einen tadellosen Leumund, eine abgeschlossene Berufslehre oder die Matura und eine bestandene RS in der Schweizer Armee.

Asg: Wieso wolltest du zur Schweizergarde nach Rom?

Qm: Aus Überzeugung. Man macht diesen Dienst nicht aus finanziellen Gründen. Bei mir war es eher Stolz und ein Privileg, als Schweizer für den Papst zu dienen.

Asg: Was erhält man für diesen Dienst?

Qm: Neben der zusätzlichen militärischen Ausbildung erhält man eine ausgezeichnete Sprachausbilung in Italienisch und Englisch und hat die Möglichkeit, nach drei Jahren Verpflichtung, die Prüfung zum eidgenössischen Fachausweis „Sicherheit und Bewachung“ abzulegen. Daneben lernt man den Vatikan kennen wie keine andere Person, wird durch einen persönlichen Gardepriester im Glauben gefestigt und erhält eine Lebensschulung in Disziplin und Loyalität.

Asg: Welches sind die Aufgaben als Hellebardier?

Qm: Neben den Zutrittskontrollen gehört vor allem das Repräsentieren bei Staatsbesuchen dazu. Da trägt die Schweizer Garde ein positives Bild in die ganze Welt hinaus. Man leistet jedoch nicht nur in der mittelalterlichen Rüstung und mit Hellebarde Dienst, sondern auch durch zeitgemässen Sicherheitsdienst mit Anzug und Waffe. Wer mindestens fünf Jahre in der Garde gedient hat, kann die Repräsentations-Uniform behalten.

Asg: Stimmt es, dass man im Ernstfall sein Leben für den Papst einsetzt?

Qm: Immer am 6. Mai jeden Jahres werden die neuen Gardisten vereidigt. Man schwört dabei mit einer Hand an der Gardefahne und erhobenen Schwurfingern, in einem Ernstfall sein Leben für den Papst einzusetzen.

Asg: Inwiefern sind Schweizergarde und die Schweizer Armee miteinander verbunden?

Qm: Nur wer in der Schweiz die RS absolviert hat, wird in der Schweizergarde aufgenommen. Wer in der Schweizer Armee Offizier ist, kann auch in der Schweizer Garde als Offizier dienen. Ich selber machte nach dem Einsatz in der Schweizer Garde den Fourier- und darauf den Qm-Lehrgang und absolvierte die Offiziersschule. Nachdem ich in der ältesten noch bestehenden Armee der Welt dienen konnte (die Schweizergarde besteht seit 1506), bin ich nun im ältesten Bataillon der Schweizer Armee eingeteilt und arbeite zivil im ältesten Uhren- und Juweliergeschäft von Europa.

Asg: Kehrst du nun als Offizier wieder nach Rom zurück?

Qm: Als Offizier darf man seine Familie in den Vatikan mitnehmen. Ich habe 2013 geheiratet und bin seit kurzem Vater von Zwillingen. Ich könnte mir gut vorstellen, wieder einmal in die Garde zurückzukehren. Kinder können in Rom in die Schweizer Diplomatenschule gehen. Aber momentan lasse ich diese Frage noch offen, denn meine Frau müsste dazu auch Ja sagen können.

 

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