Bewegte Historie: Zürcher Truppen und der Stiftsbezirk St.Gallen

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Traditionell veranstaltet das «Schützesächsi» im Rahmen des Kadervorkurses einen gemeinsamen Kadergottesdienst. Hierzu besammelte sich das Kader des Geb S Bat 6 am Mittwoch 3. Mai 2017 in der geschichtsträchtigen Kathedrale St.Gallen. Im Beisein von Regierungsrat Fredy Fässler, Divisionär Hans-Peter Kellerhals, Brigadier Peter Baumgartner sowie weiteren Gästen, wurde das Bataillonskader auf den anstehenden Wiederholungskurs eingestimmt. Dass unser Zürcher Traditionsverband dabei Gastrecht in der altehrwürdigen Stiftskirche (UNESCO-Welterbe) geniessen durfte, ist – gerade mit Blick auf den Zwölferkrieg von 1712 – alles andere als selbstverständlich.

Impressionen zum KVK-Gottesdienst 2017

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Der Zwölferkrieg von 1712

(auch Toggenburgerkrieg oder zweiter Villmergerkrieg genannt)

Die reformierten Wattwiler weigerten sich, das Strassenstück von Wattwil auf den Ricken zu bauen, welches dem Fürstbischof von St. Gallen als schnelle Verbindung nach Einsiedeln dienen soll. Es kommt zu einem aufschwellenden Konflikt, welcher bald einmal die ganze Schweiz erfasst. Wer darf was bestimmen? Die Tagsatzung spaltet sich in zwei Lager, es kommt zu einem Krieg zwischen den katholischen und den reformierten Orten.

Bern und Zürich besetzen im April 1712 den Thurgau. Mitte Mai rücken rund 3’000 Zürcher, 2’000 Berner, 2’000 Toggenburger und 1’800 reformierte Thurgauer in das Fürstenland ein und treffen zuerst auf die fürstäbtische Stadt Wil, die nach kurzer Belagerung am 22. Mai fällt. Die Verbündeten dringen darauf bis nach St. Gallen vor und besetzen das Kloster und die Vogtei Rheintal. Der Abt flieht nach Ravensburg, welches damals zu seinem Untertanenland gehört. Die Zürcher plündern das Kloster St. Gallen mit der Stiftsbibliothek und führen auch einen grossen Globus als Beutegut nach Zürich.

St.Galler Globus

Der aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammende St. Galler Globus im Schweizerischen Landesmuseum in Zürich (Foto: Wikimedia Commons)

Gleichzeitig fallen Berner und Zürcher Truppen im Freiamt ein, ziehen nach Luzern und suchen den Zusammenschluss auf dem Brünig. Es kommt zu Friedensverhandlungen. Im Frieden von Aarau am 11. August 1712 endet die Vorherrschaft der katholischen Orte und sichert der Schweiz den Religionsfrieden. Doch erst im Frieden von Baden 1718 wird die Fürstabtei St. Gallen restituiert und das Toggenburg kehrte unter die fürstäbtische Herrschaft zurück. Nach und nach gaben die Zürcher die erbeuteten Bücher und Handschriften dem Kloster St. Gallen zurück. Einzig der Globus bleibt in Zürich. Er ist heute im Landesmuseum zu besichtigen, während in der Stiftsbibliothek in St. Gallen eine von den Zürchern angefertigte Kopie steht.

Autor: Hptm Kurt Liengme, Armeeseelsorger Geb S Bat 6

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